Fortsetzung "Aus dem Bauch" (Kulturzeitschrift mor
....Sie selbst hat sich die Naivität der Kinderzeichnungen bewahrt, beziehungsweise setzt sie deren typische Merkmale gezielt ein. Die Farbgebung ist kräftig, geradezu „kindertypisch“: echtblau, echtrot, echtgelb. Diese ungezähmte Ausdruckskraft verbindet Pfeifer mit kuriosen Motiven aus dem täglichen Leben. Einerseits durch die absonderliche Motivwahl, andererseits durch überspitzte Darstellung herkömmlicher Themen werden die Sujets in ein ironisch, komisches Licht gerückt. Also Alltagskarikaturen wie die untersetzen Boxer in lächerlichen Kampf-Stellungen, die nichts anderes verkörpern als Mega-Loser? Kritik an Sportidealen? Verunglimpfung des starken Geschlechts? Pfeifer greift sich aus der Umwelt Witziges heraus und macht damit auf den „Witz“ des Gegenstandes aufmerksam. Gehäkelte Puppen, grelle Wichtel, schiefe Raketen werden ebenso wie Grinsekatzen, Zwitterwesen, verkehrte Ampeln in Serie gemalt. Auch alltägliche Gegenstände wie Kleider, Schuhe Lippenstifte, Torten oder Klosette erhalten durch die auffällige Darstellung eine überraschend bedeutungsvolle Komponente. Eben Fun-Art – ein lustiges Spiel mit ungewöhnlichen gewöhnlichen Objekten und Sujets.
Die Bilder, meist Acryl auf Molino, wirken grob, ungeschliffen, herb spaßig. Pfeifer trägt die Farbe schichtweise dick und „schlampig“ auf; die erste Schicht abstrakt, oft geradezu monochrom, tropfend, mit Farbpatzen, alten Farbresten. Bei manchen Bildern arbeitet sie Fremdmaterial ein, etwa Zeitungspapier. Durch die rauen reliefartigen Stellen wird der Pinsel beim neuerlichen Darüber-Malen abgelenkt – ein schön wackeliger Strich ist die Folge. Die Farbe selbst sind kräftig auffällig, leuchtend. Die Formen sind schematisch, comicartig, poppig aus verschiedensten Entwicklungsstadien der Kinderzeichungen entlehnt, die Perspektive verfremdet. Es entsteht eine urtümliche Expressivität, die durch die merkwürdigen Bildinhalte kritisch wirkt; dabei ist allerdings – bei diesem „Sezierkurs“ des Alltags – das komische Element nicht zu übersehen. Eine wilde Formensprache eingebettet im Spannungsfeld einer überzeichneten Realität und lustiger Momente.
Die erklärte Autodidaktin gibt einen verdichteten, bizarren Blick auf unsere Zeit wieder.
Karin Marias Pfeifers Bilder sind zwar ironisch, aber sicherlich nicht feministisch „engagiert“ oder gar bissig zu nennen; sie nehmen tradierte Geschlechterrollen zwar aufs Korn, aber auf fröhliche, unkomplizierte, etwas skurrile und spaßige Weise. Die Künstlerin zeichnet ein schöpferischer Drang aus, der weniger im Intellektualismus, als vielmehr spontan – aus dem Bauch heraus – in der materiellen Welt begründet ist.

