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... EX ...

...ex..., 145x135, 2010

In Fortsetzung ihrer Rauminstallation eines durchsichtigen Toilettenhäuschens macht Karin Maria Pfeifer weiter Intimes öffentlich. Die Serie „Ex“ ist ein augenzwinkender Beitrag zum Thema Patchwork, Beziehungen und Bindeangst. Die Dissonanz zwischen Inhalt und Form ist vorherrschendes Stilmittel in den großformatigen und luftigen Bildern aus der Serie „...ex...“. Bunt heißt nicht unbeschwert und Lächeln nicht harmlos, Malerei gewordene Doppelbotschaften zwischen Harmlosigkeit und Beklemmung.

Die Künstlerin spielt mit dem Wort „ex“ und es ist kein Zufall, dass lediglich ein Buchstabe „S“ von der wichtigsten Nebensache der Welt trennt. Denn auch in Wirklichkeit ist der Grat zwischen „Sex“ und „ex“ manchmal nur ein hauchdünner. Wie tot kann eine Beziehung sein, die scheinbar noch in der Intimität des gemeinsamen Bettes geborgen ist? Der Inbegriff der Nähe, der Berührung, der körperliche Ausdruck innerer Verbundenheit kann zur leeren Fassade mutieren, zur inhaltsleeren Routine, zur Kulisse eines Schauspiels, zum potemkinschen Dorf sozioökonomischer Besuchertätigkeit eines partnerschaftlichen Habitats. Wenn die Partner jedes Gefühl für die Wünsche, Perspektiven und Lebensziele des jeweils anderen verloren haben, beginnt der „Ex-itus“ aus der Beziehung schon dann, wenn das gemeinsame Bett noch Geborgenheit und Schutz simuliert. Der große Freiraum über dem Bett in den Bildern der Künstlerin ist wohl Synonym für den ungenutzen Aktionsradius, den sich die Beteiligten innerlich bereits vornehmen...

Doch das malerische Spiel mit dem Wort „ex“ lässt sich durchaus auch anders interpretieren. Zwar ist „ex“ die Harmlosigkeit in Diktion schlechthin, wenn es um die Bezeichnung eines ehemaligen Lebensgefährten, einer ehemaligen Lebensgefährtin geht. „Geschieden“ klingt eine Spur brutaler, „getrennt“ eher nach schwerer Operation und „ehemalig“ hat mit vier Silben entschieden zuviel Gewicht für eine Sache, die längst der Vergangenheit angehören sollt. Aber eigentlich fragt die Künstlerin damit auch: Wie ex ist „ex“? Die Bilder aus der Serie lassen es vermuten: Nicht einmal in Ansätzen so, wie man es gerne präsentieren würde. Die ehemalige Beziehung schickt ihre Ausläufer immer noch bis in die aktuelle Gegenwart und die Unabhängigkeit der Frauen scheint verletzlich zu sein und hat geradezu einen manischen Zug zum ehemaligen Zielobjekt.

Die bildnerische Gleichsetzung des Beziehungs-“ex“ mit dem medizinischen „ex“ ist ein verzweifeltes Herumtrampeln auf einem Gespenst aus der Vergangenheit, ein Beschwören, dass endlich aus sein möge, was beendet ist. Wie sonst käme der Protagonistinnen holdes Lächeln neben einem Toten in den Bildern zustande?

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